Einfahren von getunten Simson-Motoren

1. Allgemein

Motoren und Zylinder mit hochwertigen Kolben sind von Anfang an vollgasfest. Für möglichst lange Haltbarkeit und um Montage- bzw. Abstimmfehler auszuschließen lohnt sich aber das Einfahren der Motoren. Dafür gibt es keine Schritt-für-Schritt-Anleitung, sondern nur ein paar Grundregeln, die für jeden Motor zu beachten sind:

Die ersten 5 bis 10km sehr aufmerksam fahren, immer eine Hand an der Kupplung und ein Ohr am Motor. Klingt der Motor gesund und läuft schön rund ist davon auszugehen, dass alles stimmt und es zu keinen weiteren Problemen kommt. Jetzt kann der Motor 50 bis 100km eingefahren werden. Den Motor immer gut warmfahren und dann in einer ruhigen, aber nicht schleichenden Fahrweise bewegen. Lediglich lange Vollgasfahrten (Landstraßen) und sofortige Belastung kalter Motoren sind zu vermeiden. Die einzelnen Gänge können unter steigender Belastung ausgefahren werden.

Einfahren-von-Simson-Moped-Motoren

Sehr geduldige Fahrer können auch durchaus 200 km einfahren, bei originalen Simson-Zweiringkolben ist das auch zu empfehlen, allerdings darf der Motor nicht zu lange und auch nicht zu schleichend eingefahren werden, da er sonst nicht mehr richtig ausdreht. Sehr wichtig ist eine leicht fette Bedüsung (Hauptdüse eine Nummer größer), Gemisch 1:25 bis 1:33 und hochwertiges Öl (z.B. Motul 800 oder Castrol A747), damit werden optimale Bedingungen für eine lange Haltbarkeit geschaffen. 

Zur Überprüfung sollte regelmäßig die Zündkerze kontrolliert werden, die Kerzenfarbe sollte stets rehbraun oder etwas dunkler sein. Die Überprüfung immer nach einer Vollgasfahrt machen, und dann sofort den Motor ausschalten. 

Kerzenfarben nach einer gemütlichen Stadtfahrt oder erst zu Hause kontrollieren ist nicht aussagekräftig genung, da das Kerzenbild wieder verfälscht wird. Hierbei ist es ratsam, eine gebrauchte Zündkerze zu verwenden, da es relativ lange dauert, bis eine neue Kerze Farbe annimmt, was für hier beschriebene Einstell- und Kontrollarbeiten suboptimal ist.

2. Rennmotoren
Bei Rennmotoren verkürzt sich die Einfahrphase erheblich und es ist nach unserer Abstimmanleitung für Rennmotoren vorzugehen: Die erste Fahrt sollte nicht länger als 5 Minuten dauern. Vor der ersten Fahrt sollte man den Motor ca. 3 mal warmlaufen lassen, und dazwischen wieder abkühlen lassen. Das reicht zur Einlaufphase erst einmal aus. Anschließend ist darauf zu achten, die ersten 30 Minuten den Motor nicht regelmäßig an sein Drehzahlmaximum zu bringen. Nach dieser Zeit ist der Motor fertig eingefahren.

3. Probleme
Dreht der Motor auf den ersten Kilometern nicht richtig, läuft träge, hält kein Standgas oder klemmt, ist davon auszugehen, dass irgendetwas nicht passt und es ist mit weiteren Problemen zu rechnen!

Erfahrungsgemäß sind es oft ein falscher Zündzeitpunkt, zu mageres Gemisch, falsches Öl (nicht auf Markennamen verlassen) oder Nebenluft, die zu Klemmern führen.

Je nachdem, wie stark der Kolben geklemmt hat, kann man entweder gleich weiterfahren, die Klemmspuren beseitigen oder es wird ein Neuschliff fällig.

4. Schiebebetrieb
Auf leicht abfallender Strecke und besonders bei Bergabfahrten sollte unbedingt darauf geachtet werden, das Gas nicht zuzudrehen. Als Zweitakter wird das Moped mit geschlossenem Gasschieber nicht viel langsamer, aber dem Zylinder fehlen Frischgas zur Kühlung und vor allem Öl zur Schmierung. Bei langem Schiebebetrieb in hohen Drehzahlen empfehlen wir, zusätzlich den Choke zu ziehen, damit Zylinder und Kurbeltrieb noch mit Öl und kühlendem Kraftstoff  versorgt werden.